Grün, grün, grün sind alle meine Bilder

November 21, 2016


Wer mir auf Instagram folgt, hat möglicherweise im Sommer festgestellt, dass ich ziemlich inaktiv war und keine Bilder gepostet habe. Das lag daran, dass ich den ganzen Sommer für FriedWald in den Wäldern Deutschland unterwegs war und dort fotografiert habe.

Vergangenes Jahr habe ich im Sommer meinen Führerschein gemacht und habe zu meinem 18. Geburtstag ein gebrauchtes Auto geschenkt bekommen. Diese beiden Dinge waren, neben meiner Kamera, Voraussetzungen für meinen Job. Denn um deutschlandweit verschiedene Wälder zu besuchen, muss man irgendwann auf ein Auto zugreifen, weil man mit öffentlichen Verkehrsmitteln selten weit kommt oder sich die Füße wund läuft.
Diese Erfahrung musste ich direkt am Anfang meiner Reise machen, die in Berlin begann. Um von meinem Wohnort nach Berlin zu kommen, muss man rund 600km fahren und somit circa 6h im Auto sitzen, falls man nicht im Stau stecken bleibt. Da ich am Anfang des Jahres noch ein furchtbar unsicherer Autofahrer war und es möglicherweise nicht ohne mehrfache Nervenzusammenbrüche nach Berlin, geschweige denn wieder zurück geschafft hätte, entschied ich mich nach Berlin zu fliegen und dann dort einen Mietwagen zu nehmen. Was ich aber nicht wusste, war dass man mindestens ein Jahr einen Führerschein besitzen muss, was zu dieser Zeit nicht der Fall war. Also stand ich um 8 Uhr morgens bei der Autovermietung und wusste nicht, wie ich ohne Auto in den ersten Wald kommen sollte. Nach einem panischen Anruf an meine Mutter habe ich dann einen Zug nach Fürstenwalde genommen und bin dann vielleicht einen Kilometer in den Wald gelaufen, kein Problem. Am nächsten Tag ging es nach Nuthetal, auch dorthin kam ich von Friedrichshain gut mit dem Zug hin, aber musste an der Bahn Haltestelle feststellen, dass Nuthetal kein kleines Dorf ist, sondern tatsächlich nur eine Bahnhaltestelle mitten in der Natur. Wie also den Wald finden und dann hinkommen war die Frage. Mit Maps habe ich dann herausgefunden, dass ich rund 4km laufen müsste um in den Wald zu gelangen. da hat der Sportler in mir direkt bei der Taxizentrale angerufen und ein Taxi zum Standort bestellt. Nach 40 Minuten Wartezeit kam der Taxifahrer dann endlich und hatte eine Überraschung in Form eines Grundbetrages von 20€ dabei, weil er extra von Potsdam hergefahren und auch im Grunde der einzige Taxifahrer in der Umgebung sei. Als ich dann im Wald fertig war, bin ich die 4km zum Bahnhof aus kosten technischen Gründen lieber gelaufen. Aus den schmerzenden Füßen und den blutigen Blasen habe ich gelernt und mir beim letzten Wald, Bernau, ein Taxi zum Wald und auch zurück geholt. Dort habe ich die wahrscheinlich coolste Taxifahrerin Deutschlands kennengelernt, die mir ihr Handy in die Hand drückte als ich einstieg und fragte, ob ich Poker spielen könne. Ich musste leider verneinen, durfte aber trotzdem spielen, bis ich alles verspielt hatte. Das fand sie aber nicht so schlimm, war ja zum Glück nicht mit echtem Geld. Die Taxifahrerin und ich haben uns während der Fahrt richtig gut unterhalten, über meinen und ihren Beruf geredet, sie hat mir von ihren schlimmsten Kunden erzählt und ich ihr von den Unterschieden zwischen den Fahrern im Rhein-Main-Gebiet und ihr. Irgendwie ist es witzig, dass ich mich daran noch erinnern kann und jetzt darüber schreibe.

Nachdem ich in Berlin war, musste ich erst einmal das Abitur machen und erst danach meine Reise fortsetzen.
Weil ich immer noch nicht viel Auto gefahren bin, habe ich mich vorerst langsam an die Standorte in Hessen, Rheinland Pfalz und Saarland gewagt, denn die Fahrten dorthin dauerten maximal eine Stunde. Als diese Standorte erledigt waren, machte ich mich mit einem Freund zusammen auf den Weg zu den Südstandorten nach Baden-Württemberg.
In der Zwischenzeit hatten sich fast 4.000 grüne Bilder auf meinem Laptop angesammelt und bevölkerten zahlreich die Ordner meines Computers. Langsam entwickelte ich schnelle Arbeitsmethoden und ein gutes Gespür für die Naturfotografie. In den folgenden Wäldern musste ich nicht mehr, wie am Anfang fast 800 Bilder, sondern nur noch 100 Bilder von den wichtigsten und schönsten Orten machen.

Mit einem Freund bin ich im Juli dann zu den Südstandorten gefahren. Wir sind durch den Schwarzwald, zum Bodensee und sogar nach Zürich gefahren und haben ziemlich viele Kilometer zurückgelegt und die abgelegensten Orte gesehen. Falls wir in den Wäldern Besucher der FriedWälder getroffen haben, sind wir immer schnell ins Gespräch gekommen und haben sehr interessante Geschichten über die Angehörigen der Menschen anhören dürfen. Von Anfang bis kurz vorm Ende kamen wir mit unserem Zeitplan, den Hotelbuchungen und dem Fotografieren relativ gut voran und sind, nachdem wir in einem Wald in der Nähe des Bodensees waren, in die Schweiz gefahren, um uns die Alpen anzuschauen. An der Grenze stellte sich uns direkt das erste Hindernis: Die teure Jahresvignette. Leider werden keine Vignetten für einen Tag oder einen Monat angeboten und so bekamen wir den Tipp, einfach über die Landstraßen zu einem gewissen Ort zu fahren, da soll es eine schöne Aussicht geben. Irgendwie haben wir den netten Schweizer leider nicht gut genug verstanden und haben uns den Ort nicht richtig merken können und sind am Ende des Tages irgendwie in Zürich gelandet. Ein Hotel in Konstanz, das wir uns hätten leisten können, war auch unauffindbar und so sind wir am Ende des Tages in den Schwarzwald, in die Nähe des nächsten Standortes, gefahren. Um circa 22:00 Uhr haben wir noch ein bezahlbares Hotel dort gefunden und kamen circa eine Stunde später dort an. Unsere Buchung habe man aber dort leider nicht bekommen, wahrscheinlich ein Fehler der Buchungswebsite, wurde uns gesagt. Doch der Mann an der Rezeption gab sich alle Mühe uns noch Zimmer im Hotel zu finden. Am nächsten Tag kam dann eine Stornierungsnachricht von der Buchungsseite für ein Hotel namens Gasthof Hirsch. Wir haben die Nacht aber im Hotel Hirschen verbracht...

Die nächste Etappe der Reise führte mich über die Standorte in Nordrhein-Westfalen bis in den Osten nach Leipzig und über den Reinhardswald bis nach Hause.
Diesmal war ich jedoch ganz alleine und natürlich mit meinem Auto unterwegs. Weil mir alleine oft ziemlich langweilig war, habe ich mir angewöhnt Pizza in mein Hotelzimmer zu bestellen und auf meinem Laptop Filme oder Serien zu schauen. Oftmals ist die Planung aber am schlechten Internet der Hotels gescheitert. In Leipzig aber hat mir die liebe Nhi den Abend und auch den nächsten morgen Gesellschaft geleistet und mir Leipzig kulturell und kulinarisch näher gebracht. Am Abend meiner Ankunft waren wir gemeinsam auf der Fotoausstellung "Leipziger Bettgeschichten" von Martin Neuhof im Leipziger Hauptbahnhof. Anschließend sind wir zu einem Dönerladen gegangen, der vegane, vegetarische und fleischhaltige Döner anbietet und Nhi hat mir den Genuss des wohl leckersten veganen Dürüm der Welt ermöglicht. Anschließend haben wir noch Fotos im nächtlichen Leipzig gemacht, die Ergebnisse könnt ihr auf ihrem Blog bewundern. Am nächsten morgen trafen wir uns dann zum Frühstück im Bagel Brothers und redeten über Gott und die Welt. In Wahrheit eigentlich nur über die Kardashians, Kinderfilme und Suicide Squad. Da ich keinen Roman schreiben möchte, fasse ich mich im gesamten Blogeintrag relativ kurz und versuche meine Erfahrungen so gut wie möglich zusammenzufassen, denn es gibt einfach zu viel zu erzählen.
Was mir jedoch aufgefallen ist, ist dass es immer noch Unterschiede zwischen Westdeutschland und Ostdeutschland gibt. Vor allem besorgt haben mich die vielen NPD und AfD Plakate in den kleinen Ortschaften im Osten. Ich möchte auch keine politische Debatte starten, aber wenn ihr auch nur einen Hauch von Verstand und ein Gespür für das Zeitgeschehen, aber auch für unsere Vergangenheit habt, dann wählt bei den Bundestagswahlen im nächsten Jahr bitte mit Bedacht.

Als letzte Etappe habe ich mir die Wälder im Norden vorgenommen. Der erste Standort, den ich besucht habe war einer, der schon von mir fotografiert wurde. Ich durfte trotzdem noch ein Mal hin, denn ich sollte das Pferderücken mit der Kamera begleiten. Beim Pferderücken werden abgeholzte Bäume mit einem Kaltblut aus dem Wald geholt und von dem 1 PS starken Vierbeiner gezogen. Das besondere bei dieser Methode der Waldarbeit ist, dass der Boden kaum beschädigt wird und keine Schneisen in den Wald geschnitten werden müssen, damit riesige Maschinen nicht zwischen den Bäumen stecken bleiben.
Meine Route führte dann weiter nach Bremen, dann nach Hamburg und am Schluss in die Lüneburger Heide.
Von Bremen habe ich leider nicht viel gesehen, außer mein Hotelzimmer, weil ich am Abend nach dem Pferderücken ankam und direkt ins Bett gefallen bin. Am nächsten morgen bin ich dann ziemlich früh raus, um die nächsten Wälder zu fotografieren und es rechtzeitig zum Abendessen nach Hamburg zu schaffen. Dort habe ich mit Jenny bei Jim Block gegessen und am nächsten morgen ein paar Fotos an der Alster gemacht. Hamburg war Verkehrstechnisch nicht so mein Ding und auch die Parkhäuser waren ziemlich eng. Deswegen sind mein Auto und ein ziemlich schlankes Parkhaus auch auf Tuchfühlung gegangen. Das Auto trägt immer noch seine Narben...
Glücklicherweise war das enge Parkhaus mein einziger "Unfall" auf dieser Reise und ich habe es nach meinem Aufenthalt in der Nähe von Lüneburg, nach gefühlten 100 Jahren Fahrt, wieder ins gute alte Rhein-Main-Gebiet geschafft.

Trotz einiger stressiger Situationen und langen Fahrten bin ich ziemlich froh, dass ich in so jungen Jahren schon so eine tolle Erfahrung machen durfte und auch dass ich einen Kunden hatte, der mir in dieser Hinsicht vertraut hat. In meinem ersten halben Jahr in der Selbstständigkeit habe ich durch diesen Auftrag viel lernen können und direkt die Silben "Selbst" und "Ständig" verstanden.
Nächste Woche fliege ich für 2 Monate nach Thailand und beginne 2017 beruflich erst im Februar, doch trotzdem hoffe ich dass es so erfolgreich und vor allem spannend im nächsten Jahr so weiter geht!

Wer mehr über FrieWald erfahren möchte kann sich gerne auf der Website der Firma informieren.

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2 Kommentare

  1. Wow Vincent, da hast du ja echt eine enorme Menge erlebt. Ich wäre nie auf die Idee gekommen, dass jemand Fotos von Wäldern in Auftrag gibt... Steht da ein bestimmtes Projekt hinter?
    Deine Fotos gefallen mir übrigens sehr gut! Für einen Favoriten kann ich mich da mal wieder nicht entscheiden ;)

    Viel Spaß in Thailand. Das klingt so spannend - manchmal wünsche ich mir doch, auch mal ins Ausland zu kommen - am liebsten nach Asien oder Afrika.

    Liebe Grüße

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  2. Sehr schön geschrieben und die Bilder sind wie immer supi.

    Xx

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