Abschluss

Juni 23, 2016


Es ist jedes Mal aufs Neue schwer, einen Blogpost vernünftig anzufangen. Hat der Schreibfluss dann endlich seinen Lauf genommen, klappt das ganze bis zum Schlussteil wirklich gut und die einzige Schwierigkeit, die noch besteht, ist das Geschriebene ordentlich abzurunden.

Im Nachhinein kann ich zu meiner Schulzeit glücklicherweise das Gegenteil sagen. 
Anfänglich hatte ich viel Spaß in der Schule, die Grundschule war für mich ein Ort an dem ich meine Kreativität, meinen Bewegungsdrang und mein Bedürfnis nach Kommunikation ausleben konnte, ich hatte gute Freunde, Spaß am Lernen und einen interessanten Alltag. Nach der Schule bin ich immer zum Mittagessen zu meiner Oma gelaufen, habe davor meine Hausaufgaben erledigt und durfte mich dann von 15-18 Uhr mit Freunden zum Spielen treffen. Für Arbeiten musste ich nie lernen und selbst die Hausaufgaben haben mir komischerweise Freude bereitet. Mit einer klaren Empfehlung fürs Gymnasium wurde ich aus der 4. Klasse entlassen und nach den Sommerferien startete ich voller Vorfreude in das nächste Schuljahr.
Leider ging es von dort aus mit meiner Freude an der Schule bergab, anfänglich machte mir nur der Mathematikunterricht das Leben schwer, das lag vielleicht auch daran, dass wir Freitags in den letzten beiden Stunden noch mit Zahlen und Brüchen gequält wurden und ich daher oft der Meinung war, dass es mir Freitags körperlich nicht sehr gut ging. Meine Noten waren in den anderen Fächern eher mittelmäßig und in Mathe wurde ich in der 6. Klasse mit einer 6 in einer Arbeit belohnt. Das war bis dahin wahrscheinlich der schlimmste Moment in meinem Leben und Mini-Me musste viel weinen und tatsächlich anfangen für Arbeiten zu lernen. 
Als unsere Klasse in der 7. Jahrgangsstufe dann in Französisch und Latein getrennt wurde und ich in einen ganz neuen Klassenverband kam, hatte ich auch Probleme mit meinen Mitschülern und vor allem mit meiner Klassenlehrerin, die sich im Nachhinein wirklich Mühe gegeben hat unsere Gruppe, trotz aller Differenzen, zusammenzuhalten. Mit der Pubertät wurden meine Noten, zusammen mit meiner gesamten Motivation, schlechter und auch die Fächer, in denen ich schlecht war (bin), vervielfachten sich. Neben Mathe und Physik wurde auch Französisch zu meinem Feind, als zusätzlich noch Chemie auf dem Plan stand, waren meine Schuljahre oft von Stress und der Angst vorm Sitzenbleiben geprägt. Weil mir meine Mitschüler damals nicht "cool" oder "erwachsen" genug waren habe ich mir andere Freunde, an anderen Schulen gesucht und somit auch die Unzufriedenheit mit meiner eigenen Schule gesteigert. Lange Zeit wollte ich wechseln und habe mich mehr und mehr von meiner Klasse abgesondert und nur mit wenigen Mitschülern engeren Kontakt zugelassen. 
Erst in der 9. Klasse, als wir wussten, dass wir für die Oberstufe wieder getrennt werden würden, habe ich mich meinen alten Freunden wieder zugewandt und neue Freundschaften geschlossen. Mir tut es immer noch sehr leid, dass ich einen meiner damaligen und auch heutigen besten Freunde, einfach stehen lassen habe und generell ein schlimmer Heranwachsender war. 
Glücklicherweise hat sich mit dem Eintritt in die Oberstufe auch das Verhalten der Lehrer gegenüber der Schüler geändert. Der Ton ist weniger von oben herab und mit der Zeit begegnet man sich auf Augenhöhe. Zusätzlich wurde nicht mehr nur nach erlerntem Wissen gefragt, sondern auch Transfer und Sprache wurden endlich wichtig und somit auch meine Noten besser. Spätestens in der 11. Klasse (eher in der 10.) fing ich an meine Schule und meine Mitschüler zu schätzen und auch mein Alltag wurde immer einfacher und schöner. Die letzten 3 Jahre meiner Schulzeit wurden tatsächlich zur besten Zeit, die ich bis jetzt in meinem Leben hatte. Ich habe so viele tolle neue Freundschaften schließen können, Chancen genutzt und alte Fehler wieder gut machen können. 
Deswegen schließe ich meine Schulzeit auch nicht ohne Wehmut ab, es wird komisch sein manche Gesichter weniger zu sehen, aber auch gut, manche vielleicht nicht mehr sehen zu müssen, mir wird die Struktur fehlen und auch, dass ich "nur" in die Schule gehen muss. Schule ist nicht immer nur lernen und langweilen, wir können alle froh sein, dass wir in einem Land leben, in dem Bildung Pflicht ist. Über die Bildung hinaus formt die Schule auch unseren Charakter und führt uns mit tollen Menschen zusammen. Trotzdem freue ich mich auf die kommende Zeit und hoffe, dass es in Zukunft nur noch besser wird. Und vermutlich wird es das, denn dieses Jahr wird vermutlich eines der interessantesten, das ich bis jetzt hatte. Endlich habe ich die Zeit und die Mittel, Projekte anzugehen, Geld mit meiner Fotografie zu verdienen und meinen Horizont zu erweitern. Für einen meiner Kunden reise ich ab Montag durch Deutschland und fotografiere 50 Waldstandorte in der ganzen Bundesrepublik, am 1. Dezember geht mein Flug nach Thailand und in der Zwischenzeit will ich mein Portfolio mit Shootings erweitern und mich auch auf neues Terrain begeben. Also seid gespannt, was hier bald noch zu sehen sein wird!


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3 Kommentare

  1. Das Problem mit Anfängen und Enden kenne ich nur zu gut... vielleicht liegt das daran, dass man immer gesagt bekommt, dass diese beiden Teile SO wichtig sind? Dann will man da ja auch überragendes schreiben und setzt sich selbst vielleicht zu sehr unter Druck...

    Deine Schulkarriere hat übrigens wirklich Ähnlichkeiten mit meiner: Grundschule war noch ganz nett, ab dem Gymnasium wurde der Unterricht immer unerträglicher und bei der neuen Klassenzusammensetzung (bei mir in der 8.) bekam ich Probleme mit meinem Mitschülern und wurde letztendlich sogar zum Außenseiter. In der 9. Klasse knüpfte ich dann auch neue Freundschaften, da ich in einer AG ein nettes Mädchen kennen lernte.
    In der Oberstufe wurde ich von den Noten her auch besser und hatte dann meine festen Freunde und habe die Zeit mit ihnen sehr genossen. Nur die Unterrichtsbelastung war mir teilweise doch einfach zu hoch, wenn ich dann von 8-18 Uhr Unterricht hatte und Freizeit Fehlanzeige war. Aber an den Tagen mit weniger Unterricht bin ich tatsächlich gern zum Unterricht gegangen.
    Einen großen Unterschied gibt es aber doch: Mathe und Naturwissenschaften waren immer meine Stärken, ich hatte eher mit dem Rest Probleme...

    Ich freue mich auch auf die kommende Zeit - endlich mal Urlaub machen und dann etwas studieren, was mich wirklich interessiert. Dir wünsche ich auf jeden Fall eine geniale Zeit und würde mich freuen, wenn du ein wenig von deinem zukünftigen Fotografie-Business erzählen würdest.Und Thailand klingt auch richtig spannend!

    Liebe Grüße

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  2. Ich hatte gestern meinen Abiball und mir geht es genauso wie dir! In den letzten Jahren versteht man sich immer mehr mit den anderen Leuten und jetzt, da alles "vorbei" ist, hat man sich gerade erst richtig kennengelernt, das finde ich irgendwie total traurig. Gerade, weil man sich dann wahrscheinlich doch aus den Augen verliert ...

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  3. UUh ja die Schulzeit ... :D Bei mir auch ziemlich kompliziert zusammen zu fassen.
    Aber e freut mich, dass sich bei dir alles so gut entwickelt hat :)
    Mich würde interessieren, was du jetzt vor hast. Da du im Dezember nach Thailand gehst, wirst du ja erstmal keine AUsbildung oder ein Studium anfangen. Falls du Lust hast, würde ich mich freuen, wenn du ein bisschen erzählst, was so dein Plan ist. In den nächsten Wochen, in einem Jahr ... :)
    lg

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